Vogel der Woche

Die Welt aus ornithomanischer Sicht!

Die Welt ist lustig, insbesondere aus Sicht der Vogelkundler. HikE schreibt seit vielen Jahren den „Vogel der Woche“. Angefangen hat die Serie im Morgenmagazin von Radio Unerhört Marburg, fortgesetzt wurde sie im Podcast Quatschbrötchen.

Vogel der Woche: #048 - Löffler, Gäbler, Messerer

27. Mai 2024

Heute: Löffler, Gäbler & Messerer. Platalea platyrhynchos, forkensis et kniveus.

Der Löffler ist der einzige Vogel, dessen Haltung in Gefängnissen ausdrück­lich erlaubt ist. Sein Schnabel gleicht kei­nem spitzen Gegenstand aus der Besteck­schublade und kann entsprechend auch nicht als Waffe missbraucht werden. Rund, weich und löffelig ragt er aus dem Gesicht des Vogels heraus, immer bereit, ’ne ordent­liche Schippe Suppe zu schlappen.

Ganz anders hingegen der Gäbler: drei bis vier spitze, lange, gefährlich scharfe und leicht gebogene Zinken bezeichnen das vordere Ende die­ses Tiers, und wer es wagt zu kichern bei diesem Anblick, hat flugs Bekanntschaft mit der Frontbewaffnung geschlossen.

Der Gäbler lebt eigentlich davon, längliche Dinge aus dem Flachwasser heraus zu reu­sen, die dazu neigen sich in forkenartigen Fortsätzen zu verfangen, doch bei Gekicher über seine Nase kennt er nichts. Außer­dem reizen den Gäbler Erbsen zur Weißglut – man kann ihn locker um die fruchtbaren Jahre seines Lebens bringen, indem man ihm ein Kilo Tiefkühl­-Erbsen vorschüttet – und anschließend beobachet, wie sich der Hass des Gäblers in fulminanten Attacken auf die grünen kleinen Gemüse äußert und einfach nur steigert. Aus irgend einem Grunde keschert er die nahrhaften Samen der Pisum­-Pflanze nicht einfach, sondern versucht die davonflitschenden Kügelchen mit einer Ausdauer zu erstechen, die nicht mehr diesseits der Grenze der Normalität angesiedelt ist.

Irgendwann in der Evolution des Gäblers muss es eine Zeit gegeben haben, in der kleine grüne Dinge eine bedeutende Bedro­hung für die Art darstellten. Anders kann man sich diese nicht nachlassende Emo­tionalität einfach nicht erklären. Gerüch­teweise soll das exzessive Verhalten des Gäblers irgendwie mit dem Aufkommen der Löffler-Pisastudie zusammenhängen.

Der Messerer sieht nach einem normaleren Vogel aus als seine beiden eng verwandten Kollegen. Jedoch ist seine Harmlosigkeit nur vorgetäuscht. Seinen Schnabel kann man als stumpf bezeichnen – ungefähr so stumpf wie ein gewöhnliches Besteckmesser – und genau das macht ihn so gefährlich. Der Messerer ist eine Art Tagträumer, der meistens ir­gendwo durch die Gegend schwebt und ganz woanders hin guckt – und im anschei­nend falschen Moment über irgendwas stol­pert, beim Fallen anscheinend entsetzt den Kopf in Fallrichtung dreht …

Jeder weiß, dass die stumpfen Messer für die grässlichsten, am widerlichsten aus­gefransten Stichverletzungen im Haushalt verantwortlich sind. An stumpfen Messern haften Bazillen besser als an scharfen, stumpfe Messer reißen und quetschen mehr Gewebe kaputt wie Pflaumenmus, als es sauber zu durchtrennen. Verlet­zungen durch stumpfe Messer tun weher, pochen mehr, sind besseres Biotop für quetschgewebewasser­inhalierende Le­bensformen.

Und Verletzungen von stumpfen Messern hinterlassen pustelige, aufgeworfene, ge­zackte und schrundig zerklüftete Narben­-Gebirge, in denen diverse Lebensformen lange ’ne Wohnung finden und ungeheure Parties feiern – Eiterenten, Schorf­gemsen, Abszessinische Ziegen, Faltenkrähen, Schleimböcke, und nicht zu ver­gessen, Frühschicht-Murmeltiere… und all das auf einem Handrücken. Eine mikro­skopisch kleine, aber ganz eigene Welt.

Nun, der Messerer ernährt sich von den Fleischfetzen, die sein stumpfer Schnabel aus dem herausreißt, über das er stolpert.

Er fällt sozusagen über sein Essen, und da er sich nicht schnell bewegt, läuft sein Essen auch nicht weg – was klüger wäre – sondern es hält ihn für harmlos.

Irrtum, meine lieben Leute!

Schon der alte Volksreim sprischt:

Messerer, Gäbler, schweres Lischt

sind für heile Hände: nüscht!


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Désirée Börner
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Gregor Börner
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Vogel der Woche: #047 - Der Fietsenraubsänger

20. Mai 2024

Heute: Der Fietsenraubsänger. Phylloscopus bicyclica.

Der Fietsenraubsänger ist ein heimtückischer Geselle. Immer auf der Suche nach unabgeschlossenen Zweirädern, treibt er sich im Gebüsch und in allerhand dunklen Ecken herum, und probiert, wenn keiner hinguckt, auch schon mal mit seinem kurzen, pinzettenartigen Schnabel, ein Zahlenschloss zu knacken.

Wenn er ein Fahrradschloss nicht knacken kann, dann macht er das Rad kaputt.

Erst beginnt er mit einem vorsichtigen Picken nach dem Vorderreifen, was meist nichts anderes zur Folge hat, als dass der Fietsenraubsänger Schnabelschmerzen bekommt, wenn der Reifen prall aufgepumpt war. Sobald der Schnabelschmerz nach einer halben Stunde wieder abgeklungen ist, hackt er sehr viel energischer zu, was ihn eine Stunde außer Gefecht setzt.

Wenn er danach auf dem Rücken liegend wieder aus seiner Ohnmacht aufwacht, dann beginnt es in dem 20 Gramm schweren Vögelchen regelrecht zu gären. Als erstes Mal kackt er vor Wut auf den Sattel, und dann zieht er sich zur Beratung mit Seinen Finsteren Kräften zurück.

Sollte dies ein Tag sein, auf den eine Vollmondnacht folgt, dann sieht es für das Zweirad ziemlich übel aus…

… denn der kleine, harmlos gelbliche Fietsenraubsänger, der einen unvoreingenommenen Beobachter eher an an einen winzigen, scheuen Singvogel erinnert, von dem man mehr hört als sieht – einige seiner engsten Verwandten sind zum Beispiel der Waldlaubsänger, der die Bäume im Frühjahr wieder grün singt, und der Ziepzalp, der die Mädchen an den Haaren zieht…

… also, dieser kleine gelbliche 20-Gramm-Macho, der verwandelt sich im Falle des Zusammentreffens von vorangegangener Provokation und Vollmond leider in eine unglaublich wuchtige, aber ebenso gelbliche Planierraupe.

Er bezieht zu seinem Schadwerk des Nachts Position auf halber Höhe des Vorderrades, und sobald ihn ein Mondstrahl direkt trifft – ZAMPF, KRACH! – Planierraupe, Vorderrad beugt sich der Gewalt, Wolke vor Mond, FLUFFIDI! – wieder winziger Vogel, der sich dann auf halber Höhe auf’s Hinterrad setzt und erneut auf einen Mondstrahl wartet.

Wenn ein solcher Fietsen-Raubsänger besonders schlecht gelaunt ist, dann kann er das auch schon mal die ganze Nacht hindurch mit Hunderten von Zweirädern treiben, egal ob abgeschlossen oder nicht. Ganz anders ist natürlich die Lage, wenn kein Vollmond ist. In diesem Fall sitzt der rasend wütende Fietsenraubsänger einfach nur so auf halber Höhe auf dem Vorderrad und piept ab und zu seinen recht possierlich klingenden Wut-Laut vor sich hin. In diesen Fällen wird er ob seines feinen Stimmchens für gewöhnlich mit einem nächtlichen Goldhähnchen verwechselt.

Sollte der Fietsenraubsänger auf ein unabgeschlossenes Fahrrad treffen, so schwingt er sich schleunigst auf den Sattel und beginnt lauthals: „Ja wir sind mit’m Radl da“ zu trällern, während er von einem Bein aufs andere hüpft.

Angesichts seiner kurzen Füße kommt er nicht an die Pedale heran, und somit auch nicht vom Fleck – das scheint ihn aber nicht weiter zu stören. Hier scheint es wohl um das Prinzip der Klaubarkeit des Zweirades zu gehen.

Aus diesem Grunde stellen verständnisvolle Vogelschützer auch mittlerweile an allen möglichen Ecken einer Fietsenraubsänger-besiedelten Stadt sogenannte Unlock-Fahrräder auf, auf denen sich die kleinen Vögelchen wie der Boss fühlen können. Dies reduziert das Plattstampfen der anderen Zweiräder in der Stadt deutlich.


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Vogel der Woche: #046 - Die Spamsel

13. Mai 2024

Heute: Die Spamsel. Turbidus potentius.

Wenn die Mailbox dreimal schreit, und es steht jedesmal das selbe da – zum Beispiel „Bitcoin Bitcoin Reite auf der Bitcoin“, oder „Diese dicke Pille fuer die dicke Hose“ – dann kannst Du dir sicher sein, dass sich in deinem virtuellen Briefkasten eine Spamsel ihr Nest gebaut hat. Spamseln sind sehr repetetive, manchmal auch poetische Vögel – meist deutlich repetetiver als Rapper und deutlich poetischer als Poetry Slammer. Ihre Gesangsmotive neigen von Rührseligkeiten der Sorte „weiblicher grüner Pitbullrüde ohne dicke Zehen braucht Deine Hilfe um an 1 Million Dollar Erbschaft zu kommen“ bis zu phantastischen Erektionsszenarien, deren Umsetzung uns alle sofort aus der Klimakatastrophen-Zone herausheben würde, weil wir damit ganze Kontinente auf pneumatischen Pfählen nach dem Vorbild von Venedig errichten könnten.

Spamseln sind phantastische Vögel mit phantastischen Lösungen für phantastische Probleme. Und ich glaube, sie lösen sogar Probleme – wenn auch nicht auf die Weise wie Du, geplagter Besitzer einer von Spamseln bebrüteten elektronischen Postschachtel, Dir das vorstellst. Für ihre Besitzer erzeugen Spamseln nämlich eine unglaubliche Menge heißer Luft, wie sie entsteht, wenn Elektronen und andere atomare Bestandteile sehr emsig ihre Hüllen wechseln oder auseinanderfallen. Diese viele heiße Luft befüllt den Zeppelin des Spamsel-Besitzers und lässt diesen ganz relaxed über allen Wolken schweben. – Für den Email-Rezipienten bleibt nur die Erkenntnis, dass bereits Shakespeare mit Spamseln konfrontiert gewesen sein muss, ansonsten er gar nicht auf die Idee gekommen sein würde, ein Stück wie „Viel Lärm um nichts“ zu schreiben.

Text hikE 27.9.2018
Audio freie-radios.net/91567
Sprecher Caspar
Upload 18.10.2018 als #256
Repetetiv, informativ, phantastisch…


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Caspar A.
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Vogel der Woche: #045 - Der Schmalzmilan

6. Mai 2024

Heute: Der Schmalzmilan und der Brotmilan. Milvus milva & Milvus panus.

Der Schmalzmilan (Bild), ein ölig glänzen­der Geselle mit ebensolcher Tolle, lebt en­demisch im Schmalzwald und ist vom Verhalten eher uninteressant – wäre da nicht seine Hybridisierung mit dem Brotmilan.

Direkt an den eigentlichen Schmalzwald schließt nämlich dessen Verbreitungsgebiet an, der Trockenbrotrasen, der ebenfalls noch zum Schmalzwald gezählt wird. Der Schmalzmilan ernährt sich wie seine engen Verwandten von Aufschnitt, Wurstpellen, Aas und kleineren Beutetieren, während der Brotmilan mehr vegetarisch lebt. Dadurch wird Nahrungskonkurrenz vermie­den, und die beiden etwa gleich großen und gleich starken Vögel können sich prima leiden.

Mischlinge zwischen Schmalz­- und Brotmi­lan nennt man je nach Abstammung

  •  Schmalzbrotmilan, Brotschmalzmilan (aufgrund einer bescheuerten Regel wird bei Hybridisierungen das Männchen immer zuerst genannt),
  • Schmalzbrotschmalzmilan (Männchen war Mischling), Brotschmalzbrotmilan,
  • Brotbrotschmalzmilan (Weibchen war Mischling), Schmalzschmalzbrotmilan usw.

Bei zwei Mischlingen wird es erst richtig kompliziert! (Schmalzbrotschmalzbrotmilan, Brotschmalzschmalzbrotmilan, Brotbrotmarmeladenbrotmilan…)

Mittlerweile laufen die Forschungen über die Hybridisierung auf vollen Touren –­ das Forschungsinstitut M.I.L.A.N.(„Milanhybridisierung In Langzeitforschung Auswertbarer Neben­zucht­erzeugnisse“) e.V. Schmalz­wald und Umgebung zeichnet verantwortlich für ausgedehnte Zuchtversuche.

Gesponsort wird das Institut von Aurora, Siebenkorn und der Bäckerei­-Innung Hoch­schmalzwald, die inzwischen auch eine Tochterfirma gegründet hat, deren aus­schließlicher Sinn es ist, Milane im Brotteig vermarktungsfähig zu machen.


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HikE Worth
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Vogel der Woche: #044 - Der GAU-Papagei

29. April 2024

Heute: Der GAU-Papagei. Psittacus tschernobis.

GAU-Papageien

Die Ornithologen achteten zwar seit 1987 vermehrt auf ungewöhnliche Vögel, trotzdem wurden die ersten echten GAU-Papageien erst Anfang 2003 in einem Altenheim auf einer Stange hockend entdeckt. Aufgrund ihrer pilzwolkenartigen Kopfbefiederung nennt man sie auch GAU-Pfau.

Beim Balzen stellen sie ihren abgestutzten Schwanz nach oben und machen einen schönen Buckel, so dass sie eine geringfügige Ähnlichkeit mit einem explodierenden Atomkraftwerk bekommen.

Man kennt bisher nur diese zwei GAU-Papageien, und der Besitzer, ein pensionierter Vogelzüchter, erinnert sich, dass er die beiden Tiere aus eigener Graupapageien-Nachzucht hat. Geboren wurden sie 1987 in einer Außenvoliere in Bochum.

Selbst gezüchtet haben die Papageien bisher nicht, aber auch dafür weiß der Alte eine Erklärung: „Sind halt zwei Männchen.“

 


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Vogel der Woche: #043 - Das Raphuhn

22. April 2024

Heute: Das Raphuhn. Perdix perversix.

Das Raphuhn (auch: Rauhbeinhuhn) ist ein ausgesprochener Bodenvogel, und das hat mehrere gute Gründe: erstens kann er dann nicht so tief fallen, wenn er mal im Eifer des Gefechts daneben tritt, und zweitens könnte das Rappen auf erhöhten Plätzen ein Abbrechen derselben verursachen. Regelmäßiges Stampfen tut keiner Brücke und keinem Ast gut.

Ansonsten versteht sich das Raphuhn verdammt gut mit Spechten (und ist somit wohl der einzige Vogel, der sich mit Spechten gut versteht).


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Gregor Börner
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Vogel der Woche: #042 - Der Sprechfehlerfasan

15. April 2024

Heute: Der Sprechfehlerfasan. Phasianus freudianus.

Diese Vogelart ist mittlerweile ausgestorben. Aber hören wir uns doch selber an, warum.

„Killeriköck – äh – nee. Köckerillich? Kröchzikäck? Hmm. Gurrediruck! Nee auch nich.

Dirudilöö! Holidirührei! – Hmm. Ähmm.

Wachtel meiner Alpschäume ich verhöre dir! – Komisch, sie guckt nich mal. – Eierlei, nur du und ich und ein Netz für den … Tisch? – Hömm, auch falsch. – Kwäk Kwäk schnell wääck! – kalte Schulter. Hmmm. Irgendwas mach ich falsch. Räusper. – Kurrediguck, O Fasanin, kalt wie aus dem Kühlabteil! Dein gerupfter Pöter weckt in mir Geklöter! – warum hackt die mich jetzt AUA?! AUA! AUA! – Eben auf den Baum flüchten, Höhmmmmmm. Kickereidie, ich fas an die – scheiße, direkt über mir sitzt auch noch eine – mit viel spitzerem Schnabel AUA! AUA! AUA! – Krächzedilock! – Auch nich? – Verdammich, ich hab meinen artgerechten Balzgesang vergessen!“


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Vogel der Woche: #041 - Der Kauzige Steinmeier

8. April 2024

Heute: Der Kauzige Steinmeier. Uuuhu barbituratus.

[Käuzchen­-Ruf]

Obwohl der kauzige Geselle mittlerweile in deutschen Gefilden etwas bekannter ge­worden ist, traut er sich selbst noch nicht richtig über den Weg.

War er doch vor einigen Jahren noch so weit im Hintergrund des ewigen Dschungels von Politanien zu Hause, und sein Wir­kungskreis so geheim, dass er – befragt man ihn heute – selbst nichts davon wuss­te, so trifft man ihn nun verstärkt auf Lichtungen, Plätzen und in Messehallen an, um seinem Balzverhalten in aller Öffent­lichkeit beiwohnen zu können.

Zu diesem Schritt drängten ihn vor allem seine immer weniger werdenden Artgenos­sen, da seine mehr oder weniger fruchtbare vierjährige Partnerschaft mit der märki­schen Uckerglucke nun zu einem mehr oder weniger planmäßigen Ende gekom­men ist.

Regelrecht aufgestachelt von seinen dezimierten Artgenossen, zeigt er nun allen mit mehr oder weniger stolzgeschwellter Brust, dass er, der kauzige Geheimdiplo­mat, ein wahrer Anführer sein soll, ein motivierendes, Begeisterungsstürme auslö­sendes Alpha­-Tier nicht nur seiner Art, sondern seiner gesamten Gattung, wie zumindest seine Beta­-Artgenossen ihm immer wieder eindringlich nahelegen.

Niederlegen möchte er sich dagegen am liebsten selbst, und zwar im ehemaligen Nest des großen Geerd­-Falken, so wie er stets mehr oder eher weniger versucht, sein Territorial-­, Balz-­ oder Ernährungsverhalten an dem des Geerd-­Falken zu orientieren, hielt sich dieser doch in ferner Vergan­genheit – vor allem mit dem Zweck, sein schillerndes Gefieder besser zur Geltung zu bringen – eine graumäusige Entourage, in der auch der kauzige Steinmeier nicht weiter auffiel.

Tat er zu dieser Zeit nichts anderes, als das Gewölle seines Herrn nach verwertbarem zu durchkämmen, so wird ihm heute nach­ gesagt, dass er sogar gelegentlich nach einer Flasche Bier, einem Schnitzel oder einer dicken Zigarre ruft.

In dieser Konsequenz zieht er sich die großen Schuhe des Kämpfers, Anführer und Motivators an, wohl im tiefsten Inneren längst wissend, dass die Natur ihm doch eine ganz andere Rolle zugedacht hat und er niemals der Nestfolger des großen Geerd­-Falken werden kann, was ihn auch vor der ernüchternden Erkenntnis bewah­ren wird, dass sowohl das Nest wie auch die Großspuren seines Möchtegern­-Vor­gängers ohnehin eine Spur zu groß für ihn waren, sind und bleiben werden.

Da die ornithologische Fachwelt erst seit vergleichsweise kurzer Zeit Interesse am kauzigen Steinmeier gefunden hat, bleibt – neben den erstaunlichen bereits gewonne­nen Erkenntnissen – freilich noch vieles aus dem Leben des kauzigen Waldbewohners aus der zweiten Reihe im Dunklen, wo es vielleicht auch besser liegenbleiben sollte. Umso mehr freut es uns, dass wir hier und heute die Chance haben, an einer ornitho­logischen Expedition zur Erforschung des kauzigen Steinmeiers quasi live teilnehmen zu können.

Zu diesem Zwecke schalten wir direkt zu unserem Kollegen Frank­-Walter Auerberg in die Leine-­Auen rund um den Hannove­raner Maschsee, wo im tiefen Schilfdickicht der kauzige Steinmeier vermutet wird.

[Expeditionsgeräusche]

Ja, Hallo ins Studio, hier ist Frank­-Walter Auerberg auf der Suche nach dem kauzigen Steinmeier. Schallte hier noch vor einiger Zeit das dominante „Ha Ha Ha“ des Geerdfalken durchs Gehölz, so habe ich heute den Eindruck, dass die Expedition, je tiefer sie in die Wildnis vordringt, immer ruhiger und gespannter wird, was die magischen Fähigkeiten des Steinmeiers als Motivator, Aufrüttler und Anführer betrifft.

[Käuzchen]

Jetzt haben wir zum ersten Mal seinen Ruf vernommen

[Käuzchen]

Man sagt, dass man, je näher man seinem Standort kommt [Käuzchen] und je öfter man seinen Ruf hört [Käuzchen] immer stärker seinem animalischen Zauber verfällt [Käuzchen] Demnach müssten wir hier in [Käuzchen] den Leineauen ziemlich nahe dran sein [Käuzchen], und es scheint, dass sein Zauber zu wirken beginnt [Käuzchen]. Ich für meinen Teil fühle mich auf jeden Fall ziemlich mitgerissen, ob ich will oder nicht [Gähnen, Käuzchen], und weiß genau, das uns das alles….

[Gähnen, schnarchen, … ]

Ja, vielen Dank an unseren Reporter Frank­-Walter Auerberg, der in den Hannoveraner Leine­-Auen wohl voll in den Bann der magi­schen Wirkung des kauzigen Steinmeiers geraten ist.

Uns hier im Studio bleibt angesichts dieser wissenschaftlichen Glanzleistung wohl nur die aus tiefstem Herzen ehrlich gemeinte Erkenntnis, dass der Steinmeier, dieses wohl kauzigste Exemplar unserer heimi­schen Vogelwelt immerhin eine Chance verdient haben soll [Gähnen, Käuzchen], schließlich ist seine magischen Wirkung auch hier im Studio nicht von der Hand zu…..

[Gähnen, schnarchen, … ]


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Vogel der Woche: #040 - Der Pucki

1. April 2024

Heute: Der Pucki. Pucki pucki.

Der Pucki ist der Hund, nach dem der Internationale Puckitag am 4. April benannt ist. Genuin ist er ein Zwergrehpinscher der 1977er QUALity Zucht Serie, also aus Zeiten, wo Zwergrehpinscher noch wirklich so klein sein durften. Heute müssen wie sie alles aus Amerika kommende, mindestens doppelt so viel wiegen, aber damals waren 1.700 (oder 1.800) Gramm Zwerg-Hund in der Zuchtreihe der Pinscher, zu denen unter anderem auch der stolze Dobermann gezählt wird, noch erlaubt.

Der Pucki zeichnet sich durch mehrere eingebaute Heisenberg’sche Unschärfen aus, in dem Moment wo man ihn auf die Waage stellt, sieht man entweder die Zeit in der der Hund 1.700 oder 1.800 Gramm wiegt, oder man sieht das Gewicht, aber nie beides gleichzeitig. Die Heisenberg’sche Unschärfe ist somit in Wirklichkeit ein matrizenmechanischer Tremor.

Die zweite Heisenberg’sche Unschärfe ist vielleicht eher unter dem Schrödingers-Katze-im-Karton-Phänomen zu beschreiben, der Pucki ist nämlich gleichzeitig nicht nur ein Zwergrehpinscher, sondern auch ein Vogel, der Puckivogel, was erklärt, wieso er in beiden Büchern unter dem selben Gattungs- und Artnamen auftaucht.

Versucht aber bitte nicht, beide Bücher nebeneinander zu legen und das jeweilige Kapitel aufzuschlagen, das würde die Quantenphysik sofort implodieren lassen, was dann wohl bedeutet, dass die Erde futsch ist, und wir haben vielleicht noch 0,25 Sekunden um von Bord zu gehen (und nächste Frage: wohin?…)!

Da der Autor weiß, was nun als nächstes passieren wird (zwei nebeneinander aufgeschlagene Bücher…), wurde aber eine Notbremse eingebaut. Um den sofortigen Kollaps der bekannten Welt zu vermeiden, wird hier nur der entschärfte Singulärpucki beschrieben, welcher am 4.4.77 geboren wurde und längst in die Schrödinger’sche Kiste eingegangen ist. Die Veröffentlichung des Generalpucki an dieser Stelle wird einer Zeit vorbehalten sein, in der irgend ein beliebiger grenzdebiler Polit-Sprallo der heutigen Bauserie mit zu viel Hoden im Kopf seinen Fettfinger auf den Atomraketenknopf legt und den runterdrückt. (Hoden im Kopf ist übrigens eine Unisex-Krankheit, auch als cis-Frauen gendernde Politsprallos sind daher ausdrücklich mit in die Diagnose einbezogen.)


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HikE Worth
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Gregor Börner
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Vogel der Woche: #039 - Der Ohrentaucher

23. März 2024

Heute: Der Ohrentaucher. Podiceps charlesi.

Dieses wunderschöne Tier kennt man bisher nur von einem Foto, das auf einer Exkursion mit Englands Kronprinzen durch ein besonders schützenswertes Sumpfgebiet gemacht wurde.

Über die Lebensweise weiß man überhaupt nichts.

Der Kronprinz* soll sich peinlich berührt abgewendet haben, als er auf die Ähnlichkeit angesprochen wurde.

* (heute isser natürlich König)


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Timmey H. N.
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