Vogel der Woche

Die Welt aus ornithomanischer Sicht!

Die Welt ist lustig, insbesondere aus Sicht der Vogelkundler. HikE schreibt seit vielen Jahren den „Vogel der Woche“. Angefangen hat die Serie im Morgenmagazin von Radio Unerhört Marburg, fortgesetzt wurde sie im Podcast Quatschbrötchen.

Vogel der Woche: #041 - Der Kauzige Steinmeier

8. April 2024

Heute: Der Kauzige Steinmeier. Uuuhu barbituratus.

[Käuzchen­-Ruf]

Obwohl der kauzige Geselle mittlerweile in deutschen Gefilden etwas bekannter ge­worden ist, traut er sich selbst noch nicht richtig über den Weg.

War er doch vor einigen Jahren noch so weit im Hintergrund des ewigen Dschungels von Politanien zu Hause, und sein Wir­kungskreis so geheim, dass er – befragt man ihn heute – selbst nichts davon wuss­te, so trifft man ihn nun verstärkt auf Lichtungen, Plätzen und in Messehallen an, um seinem Balzverhalten in aller Öffent­lichkeit beiwohnen zu können.

Zu diesem Schritt drängten ihn vor allem seine immer weniger werdenden Artgenos­sen, da seine mehr oder weniger fruchtbare vierjährige Partnerschaft mit der märki­schen Uckerglucke nun zu einem mehr oder weniger planmäßigen Ende gekom­men ist.

Regelrecht aufgestachelt von seinen dezimierten Artgenossen, zeigt er nun allen mit mehr oder weniger stolzgeschwellter Brust, dass er, der kauzige Geheimdiplo­mat, ein wahrer Anführer sein soll, ein motivierendes, Begeisterungsstürme auslö­sendes Alpha­-Tier nicht nur seiner Art, sondern seiner gesamten Gattung, wie zumindest seine Beta­-Artgenossen ihm immer wieder eindringlich nahelegen.

Niederlegen möchte er sich dagegen am liebsten selbst, und zwar im ehemaligen Nest des großen Geerd­-Falken, so wie er stets mehr oder eher weniger versucht, sein Territorial-­, Balz-­ oder Ernährungsverhalten an dem des Geerd-­Falken zu orientieren, hielt sich dieser doch in ferner Vergan­genheit – vor allem mit dem Zweck, sein schillerndes Gefieder besser zur Geltung zu bringen – eine graumäusige Entourage, in der auch der kauzige Steinmeier nicht weiter auffiel.

Tat er zu dieser Zeit nichts anderes, als das Gewölle seines Herrn nach verwertbarem zu durchkämmen, so wird ihm heute nach­ gesagt, dass er sogar gelegentlich nach einer Flasche Bier, einem Schnitzel oder einer dicken Zigarre ruft.

In dieser Konsequenz zieht er sich die großen Schuhe des Kämpfers, Anführer und Motivators an, wohl im tiefsten Inneren längst wissend, dass die Natur ihm doch eine ganz andere Rolle zugedacht hat und er niemals der Nestfolger des großen Geerd­-Falken werden kann, was ihn auch vor der ernüchternden Erkenntnis bewah­ren wird, dass sowohl das Nest wie auch die Großspuren seines Möchtegern­-Vor­gängers ohnehin eine Spur zu groß für ihn waren, sind und bleiben werden.

Da die ornithologische Fachwelt erst seit vergleichsweise kurzer Zeit Interesse am kauzigen Steinmeier gefunden hat, bleibt – neben den erstaunlichen bereits gewonne­nen Erkenntnissen – freilich noch vieles aus dem Leben des kauzigen Waldbewohners aus der zweiten Reihe im Dunklen, wo es vielleicht auch besser liegenbleiben sollte. Umso mehr freut es uns, dass wir hier und heute die Chance haben, an einer ornitho­logischen Expedition zur Erforschung des kauzigen Steinmeiers quasi live teilnehmen zu können.

Zu diesem Zwecke schalten wir direkt zu unserem Kollegen Frank­-Walter Auerberg in die Leine-­Auen rund um den Hannove­raner Maschsee, wo im tiefen Schilfdickicht der kauzige Steinmeier vermutet wird.

[Expeditionsgeräusche]

Ja, Hallo ins Studio, hier ist Frank­-Walter Auerberg auf der Suche nach dem kauzigen Steinmeier. Schallte hier noch vor einiger Zeit das dominante „Ha Ha Ha“ des Geerdfalken durchs Gehölz, so habe ich heute den Eindruck, dass die Expedition, je tiefer sie in die Wildnis vordringt, immer ruhiger und gespannter wird, was die magischen Fähigkeiten des Steinmeiers als Motivator, Aufrüttler und Anführer betrifft.

[Käuzchen]

Jetzt haben wir zum ersten Mal seinen Ruf vernommen

[Käuzchen]

Man sagt, dass man, je näher man seinem Standort kommt [Käuzchen] und je öfter man seinen Ruf hört [Käuzchen] immer stärker seinem animalischen Zauber verfällt [Käuzchen] Demnach müssten wir hier in [Käuzchen] den Leineauen ziemlich nahe dran sein [Käuzchen], und es scheint, dass sein Zauber zu wirken beginnt [Käuzchen]. Ich für meinen Teil fühle mich auf jeden Fall ziemlich mitgerissen, ob ich will oder nicht [Gähnen, Käuzchen], und weiß genau, das uns das alles….

[Gähnen, schnarchen, … ]

Ja, vielen Dank an unseren Reporter Frank­-Walter Auerberg, der in den Hannoveraner Leine­-Auen wohl voll in den Bann der magi­schen Wirkung des kauzigen Steinmeiers geraten ist.

Uns hier im Studio bleibt angesichts dieser wissenschaftlichen Glanzleistung wohl nur die aus tiefstem Herzen ehrlich gemeinte Erkenntnis, dass der Steinmeier, dieses wohl kauzigste Exemplar unserer heimi­schen Vogelwelt immerhin eine Chance verdient haben soll [Gähnen, Käuzchen], schließlich ist seine magischen Wirkung auch hier im Studio nicht von der Hand zu…..

[Gähnen, schnarchen, … ]


Beteiligt:

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Raspelii
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HikE Worth
Sprechix

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Vogel der Woche: #040 - Der Pucki

1. April 2024

Heute: Der Pucki. Pucki pucki.

Der Pucki ist der Hund, nach dem der Internationale Puckitag am 4. April benannt ist. Genuin ist er ein Zwergrehpinscher der 1977er QUALity Zucht Serie, also aus Zeiten, wo Zwergrehpinscher noch wirklich so klein sein durften. Heute müssen wie sie alles aus Amerika kommende, mindestens doppelt so viel wiegen, aber damals waren 1.700 (oder 1.800) Gramm Zwerg-Hund in der Zuchtreihe der Pinscher, zu denen unter anderem auch der stolze Dobermann gezählt wird, noch erlaubt.

Der Pucki zeichnet sich durch mehrere eingebaute Heisenberg’sche Unschärfen aus, in dem Moment wo man ihn auf die Waage stellt, sieht man entweder die Zeit in der der Hund 1.700 oder 1.800 Gramm wiegt, oder man sieht das Gewicht, aber nie beides gleichzeitig. Die Heisenberg’sche Unschärfe ist somit in Wirklichkeit ein matrizenmechanischer Tremor.

Die zweite Heisenberg’sche Unschärfe ist vielleicht eher unter dem Schrödingers-Katze-im-Karton-Phänomen zu beschreiben, der Pucki ist nämlich gleichzeitig nicht nur ein Zwergrehpinscher, sondern auch ein Vogel, der Puckivogel, was erklärt, wieso er in beiden Büchern unter dem selben Gattungs- und Artnamen auftaucht.

Versucht aber bitte nicht, beide Bücher nebeneinander zu legen und das jeweilige Kapitel aufzuschlagen, das würde die Quantenphysik sofort implodieren lassen, was dann wohl bedeutet, dass die Erde futsch ist, und wir haben vielleicht noch 0,25 Sekunden um von Bord zu gehen (und nächste Frage: wohin?…)!

Da der Autor weiß, was nun als nächstes passieren wird (zwei nebeneinander aufgeschlagene Bücher…), wurde aber eine Notbremse eingebaut. Um den sofortigen Kollaps der bekannten Welt zu vermeiden, wird hier nur der entschärfte Singulärpucki beschrieben, welcher am 4.4.77 geboren wurde und längst in die Schrödinger’sche Kiste eingegangen ist. Die Veröffentlichung des Generalpucki an dieser Stelle wird einer Zeit vorbehalten sein, in der irgend ein beliebiger grenzdebiler Polit-Sprallo der heutigen Bauserie mit zu viel Hoden im Kopf seinen Fettfinger auf den Atomraketenknopf legt und den runterdrückt. (Hoden im Kopf ist übrigens eine Unisex-Krankheit, auch als cis-Frauen gendernde Politsprallos sind daher ausdrücklich mit in die Diagnose einbezogen.)


Beteiligt:

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Gregor Börner
Sprecher

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Vogel der Woche: #039 - Der Ohrentaucher

23. März 2024

Heute: Der Ohrentaucher. Podiceps charlesi.

Dieses wunderschöne Tier kennt man bisher nur von einem Foto, das auf einer Exkursion mit Englands Kronprinzen durch ein besonders schützenswertes Sumpfgebiet gemacht wurde.

Über die Lebensweise weiß man überhaupt nichts.

Der Kronprinz* soll sich peinlich berührt abgewendet haben, als er auf die Ähnlichkeit angesprochen wurde.

* (heute isser natürlich König)


Beteiligt:

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HikE Worth
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Timmey H. N.
Sprecher

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Vogel der Woche: #038 - Die Haufenlerche

18. März 2024

Heute: Die Haufenlerche. Galerida klumpatscha.

Neigt zu Agglomeration. Auch beim Fliegen. Andere Lerchen lassen Platz beim Lerchenflug. Viel Platz. Manchmal eine Lerche auf 10 Quadratkilometer. Durchaus hübsch und gemütlich. Lässt Zeit zur Beobachtung, beim Vogelzählen machste einen Strich in deine Twitcher-Liste, Lerche im Singflug überhin. Okay. Der Zettel reicht viele Tage lang aus.

Du brauchst maximal einen Viertel Bleistift pro Saison. Alles Tranquilo. Schönes Naturerlebnis. Hermann Löns Feeling und so.

Ganz anders hingegen die Haufenlerchen. Die steigen als kreischender Zwitscherball, bestehend aus mehreren hundert Individuen, in die Lüfte. Und das ist, liebe Zuhörende, fundamental beunruhigend mit anzusehen, und macht, dass einsame Heidedichter und -ornithologen sich stantepede in ärztliche Obhut begeben, um das Bild in ihren Köpfen wieder wegmachen zu lassen.


Beteiligt:

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HikE Worth
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Vogel der Woche: #037 - Die Sturzmöwe

11. März 2024

Heute: Die gemeine Sturzmöwe. Larus newtoni.

Wenn mit lautem Grölen etwas aus dem Azur kippt und Dich auf den Kopf pickt, bist Du vielleicht gerade ein Opfer der Gemeinen Sturzmöwe geworden. Dieses Tier belästigte bereits Persönlichkeiten wie Sir Isaac Newton dermaßen, dass diese sich darüber zu ihren coolsten wissenschaftlichen Arbeiten inspiriert sahen. Im Falle Newtons brauche ich nicht besonders den Weltrang zu betonen, den seine Beschreibung der Schwerkraft bedeutet. Allerdings ist die Geschichte mit dem Apfelbaum als Ruheort und dem Apfel als Ruhestörer ziemlich – ja – äh – aus der Luft gegriffen. Quasi.

In Wirklichkeit ging das etwas prosaischer ab und dem Herrn Newton seine Fontanelle wurde von unserem rabiaten Sturzflieger gepickt. Und der Apfelbaum war eine Pappel.

Ansonsten ist der Plot korrekt wiedergegeben, so dass es als bewiesen gelten darf, dass die Schwerkraft entdeckt ist.

Viele vermeintliche Seeschwalben-Angriffe gehen auf das Konto dieses reaktionsfreudigen lebenden Geschosses, diese Verwechslung wird durch die relative Kleinheit der Sturzmöwe begünstigt und durch das irre Tempo, mit dem die Angriffe stattfinden.

(Fun Fact: Dieser Vogel wurde 2018 bei Radio T gesichtet.)


Beteiligt:

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HikE Worth
Text, Bild, Sprechix

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Vogel der Woche: #036 - Der Gumpel

4. März 2024

Heute: Der Gumpel. Pyrrhula nasua.

Der Gumpel ist ein kleiner rötlicher Federball, der zierlich, selbstgenügsam, meistens regungslos herumsitzt. Sein Gefieder schillert in Karmin- bis Purpurtönen und er ist wunderschön anzuschauen. Gelegentlich gibt er leise Schniefgeräusche von sich. Der eingetragene Verein der Gumpelfreunde e.V. hat sein ganzes Schaffen um den kleinen Finkenvogel aufgebaut und macht Werbung für die Haltung des Tierchens.

Aus der Broschüre „Ein Gumpel für das ganze Leben!“ entnehmen wir unter anderem die Information, dass ein Gumpel ausgesprochen zahm wird, flugfaul ist und solitär lebt. Er legt ab und zu ein paar gelbliche Eier und fühlt sich am wohlsten im Gesicht seines Besitzers.


Beteiligt:

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HikE Worth
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Susanne S.
Sprecherin

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Vogel der Woche: #035 - Die Nabelkrähe

25. Februar 2024

Heute: Die Nabelkrähe. Corvus corona garnix

Wir erinnern uns an die tragischen Schicksale von Rotkahlchen und Nactigall, sobald wir uns der Nabelkrähe gedanklich annähern.

Ein Vogel, plötzlich bar seiner Federn, fassungslos seinen blanken Bauch anguckend, ohne dass ihn, wie vormals noch, ein opulenter Körperplüsch und undurchsichtige Flusen an dieser Nabelschau hindern könnten.

Die Nabelkrähe, meine lieben Zuhörer_innen und Mit-Kopfkino-Pilot_innen, hat sich nichts anderes zuschulden kommen lassen, als zufällig einem Ereignis im Weg zu sein, welches bedeutend größer ist als sie.

Aber so geht es ja vielen von uns. Es gibt sogar Filme über dieses Thema. „Vom Winde verweht“, und so.

Also, die Nabelkrähe, sie tat es den beiden oben bereits genannten Vögeln gleich; zur Unzeit am falschen Ort sich befindend, porkelte sie gerade ihr Mittagessen aus Bodenkrume und unbewachtem Katzenfutternapf zusammen, nicht dabei achtend der Flamingos, welche um sie herum stelzten und ihre seltsamen Stampftänze um Wassereimer herum aufführten.

Man hieß sie damals noch die Nebelkrähe, und sie war Trägerin von schwarzem, stahlblau schimmerndem Voll-Gefieder mit grauem Nacken und grauer Brust, schmuck und glattgeleckt wie die Katze, deren Futterbröckchen sie sich nun einverleibte.

Ihre Wanderung ging von einem Tiergehege zum nächsten, weder Mensch noch Tier kümmerte sich um ihre Anwesenheit; sie war ein längst gewohnter Tischgast im Zoo; ihretwegen wurde einfach ein Halm mehr in die Raufe gelegt, und gut ist.

Dem Hasen-Futternapf entnahm sie ein Salatblatt, denn zu einem ausgewogenen Mittagessen gehören Vitamine. Die Mümmelmänner mümmelten, die Nebelkrähe nickte, und gut ist.

Corona störte dieses eingespielte Gleichgewicht zwischen Zoo- und Wildtier.

Im Elefantengehege geriet sie ins Armageddon der erkälteten Elefantendame Elsie, welche den Besuch der Nebelkrähe sehr gerne hatte und sie daher wie üblich mit dem Rüssel begrüßen wollte, aber ha-PFFRT… geht das Leben. Und das Gefieder.

Traurig kröchzt die Nabelkrähe.


Beteiligt:

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HikE Worth
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Vogel der Woche: #034 - Die Mailschwalbe

19. Februar 2024

Heute: Die Mailschwalbe. Delichon postica.

Wo die Mehlschwalbe, Künderin des Noch-Kein-Sommers, noch als lebendes Tier der Bevölkerung bekannt ist, kann es gelegentlich mal zu Verwechslungen mit unserem heutigen Vogel der Woche kommen. Allerdings nur zu oberflächlichen, denn die Mailschwalbe und die Mehlschwalbe unterscheiden sich erheblich in ihren Gewohnheiten.

Beide haben im Flugbild einen charakteristisch weißen Bürzel, bei der Mehlschwalbe ist dieser jedoch festgewachsen und besteht aus den hinteren Rückenfedern dieses Vogels, bei der Mailschwalbe ist der weiße Bürzel durch eine schriftliche Nachricht bedingt, welche sich der Piepmatz zwecks Transport auf den Buckel geschnallt hat und nun zu einem Empfänger trägt.

Die Mailschwalbe brütet in elektronischen Postkästen, nimmt dort kurze Nachrichten
entgegen und fliegt damit ähnlich wie eine Brieftaube zu einem anderen elektronischen
Postkasten. Sie tut das nicht ganz uneigennützig, denn am Zielort betreibt sie entweder Brutparasitismus, indem sie ein Ei in den fremden Kasten legt, oder sie nutzt die Zeit zu einem blitzschnellen Seitensprung, so dass es letztlich vollkommen egal ist, welches Ei in welchem Kasten von wem ausgebrütet wird, weil es von so ziemlich jedem Partner in jedem Kasten stammen könnte. Sämtliche Gender der Mailschwalbe fliegen herum und tragen Nachrichten und Gameten zu anderen Kästen, daher gibt es auch keinerlei Gezeter unter den Mailschwalben wegen der fremden Eier, die ja auch immer zur Hälfte die eigenen sein könnten.

Im Vergleich zur Brieftaube ist die Mailschwalbe natürlich ein winziger Vogel, sie kann also keine Pakete transportieren. Trotzdem breitet sie sich im ländlichen Raum der Bundesrepublik Deutschland gerade sehr schnell aus. Im Gegensatz zu den EU-Nachbarstaaten besitzt Deutschland ein sehr lückenhaftes, fast vorsintflutliches Mobilfunknetz.

Hierdurch wird den Mailschwalben in den ländlichen Regionen mit mangelhafter Infrastruktur ein stabiler Lebensraum geschaffen, in dem die Vögelchen den Transport elektronischer Nachrichten fast alleine bewältigen. Jeder menschliche Besitzer eines elektronischen Postkastens füttert seine Mailschwalben sehr gut mit leckeren Kleininsekten, damit das so bleibt.


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HikE Worth
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Vogel der Woche: #033 - Der Tätää

12. Februar 2024

Heute: Der Tätää. Clunis carnevalis.

„Der Winter ist zu Ende!“, pflegt man sich zu freuen, wenn die Zugvögel langsam wiederkommen. Und just zu dieser Zeit kommt auch der Tätää wieder ins Land. Nicht überallhin, zugegebenermaßen, dafür fällt er in manchen Gegenden ein wie die sprichwörtliche Biblische Plage. Stimmungstrunken, in unkontrollierbaren Schwärmen unterwirft er sich gnadenlos das Land, und wehe, man steht im Weg.

Denn das wichtigste Organ des Tätää – und auch seiner weiblichen Ausprägung, der Tätääte – besteht in erster Linie aus einem mächtigen Gesäß, das der Tätää vor allem für zwei Dinge benötigt: Zum einen, um es in rituellen Zusammenkünften plattzudrücken und zum anderen, um dich für den Rest des Jahres noch nicht mal mit jenem Gesäß anzuschauen.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt allerdings, exakt am Donnerstag sechs Wochen vor dem ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, verfällt der Tätää, und zwar der gesamte Schwarm gleichzeitig, in rhythmische Bewegungen, entweder in geraden Taktzahlen nach oben und unten oder in ungeraden Taktzahlen nach rechts und links.

Gleichzeitig wächst seine Nase zur Kugelform und verfärbt sich in ein leuchtendes rot. Biologen vermuten, dass diese Veränderung hauptsächlich dem gegenseitigen Erkennen sowie als Beschwichtigungs-Signal im sonst normalen Revierkampf dient.

Denn in diesem Zustand kollektiver Trance ist der Tätää plötzlich dein bester Freund, ob du willst oder nicht. Der Tätää ist – so sieht er sich zumindest selbst – zu diesem Zeitpunkt extrem tolerant.

So tolerant, dass z.B. keine Tätääte in dieser Zeit eine plumpe Anmache oder das begrapschtwerden durch einen Tätää ablehnen darf, so tolerant, dass in den Zusammenkünften der Tätääs, von Ihnen selbst als Sitzungen bezeichnet, jeder uralte, geschmacklose, rassistische oder sexistische Witz mit johlendem schenkelklopfendem Beifall honoriert wird, so tolerant, dass komatöse Sturztrinker reihenweise in ihren eigenen Kotzteppichen ausrutschen und sich die Pappnasenfresse im ebenfalls selbst produzierten Scherbenteppichen aufschlitzen.

Letztere wird dann wieder zusammengenäht, erstere und allerletztere von der Stadtreinigung beseitigt, beides natürlich dann auf Kosten der Allgemeinheit.

Die Tätääs verschwinden nach fünfeinhalb Tagen genauso plötzlich von der Bildfläche, wie sie vorher aufgetaucht sind, nicht ohne sich vorher noch schnell von Dompfaffen absolutieren zu lassen.

Die Wissenschaft hat dieses Phänomen des plötzlichen Auftauchens und Verschwindens des Tätääs bis heute nicht ausreichend erklären können. Man geht allerdings mittlerweile davon aus, dass der Tätää kein wirklicher Zugvogel, sondern eine temporäre Mutation endogener Populationen ist. Ob diese Mutationen mit den ähnlich halbintelligenten Schwärmen vergleichbar sind, die gelegentlich Synagogen, Wohnhäuser oder Bücher in Brand setzen, unter lauten Gesängen bewaffnet in fremde Länder einmarschieren, oder ähnliches tun, was eben aufgeputschte dumpfe Massen eben so tun, ist ebenfalls noch nicht hinreichend geklärt.

Bis dahin empfehlen wir die innere Emigration oder die Flucht ins benachbarte Ausland, spätestens beim ersten Erklingen der Signale zur herannahenden Massenmutation.


Beteiligt:

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Raspelii
Text, Sprecher

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Vogel der Woche: #032 - Der Graupel

5. Februar 2024

Heute: Der Graupel. Niveara granularis.

Dieser Vogel ist ein Wintergast und kommt meist aus heiterem Himmel. Menschen kriegen von ihm meist nur mit, dass er im Winter mausert, und zwar überhin. Und in kleinen Bröckchen. Andere Vögel werfen Federn ab, der Graupel graupelt. Das ist so ähnlich wie Knispeln, was die Wellensittiche tun. Nur halt keine kleinen Schüppchen und so, sondern Bröckchen. Eigentlich ziemlich eklig, wenn man so drüber nachdenkt.


Beteiligt:

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HikE Worth
Text, Sprechix

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